Probleme mit SAP GUI HTML-Control (WebView2):

Ursachen, Auswirkungen und empfohlene Workarounds

Dino Pettinaro

1/22/20262 min read

In den letzten Tagen kam es vermehrt zu Problemen mit dem SAP GUI HTML-Control, insbesondere im Zusammenspiel mit der Microsoft WebView2 Runtime. Betroffen sind zahlreiche SAP-Transaktionen, die HTML-Controls einsetzen. Dieser Beitrag fasst den aktuellen Stand, die Ursache sowie empfohlene Behelfslösungen zusammen.

Welche Transaktionen sind betroffen?

Das Problem tritt in verschiedenen klassischen SAP-Transaktionen auf, unter anderem:

  • SM50

  • SBWP

  • SOST

  • RZ11

  • S80

Grundsätzlich sind alle Transaktionen potenziell betroffen, die innerhalb der SAP GUI HTML-Controls verwenden.

Ursache des Problems

Die Ursache liegt nicht direkt bei SAP, sondern bei einem Drittanbieterprodukt. Microsoft hat das Problem inzwischen identifiziert und bestätigt, dass es im Zusammenhang mit bestimmten Versionen der WebView2 Runtime steht. Aktuell arbeitet Microsoft an einer Korrektur.

Für Rückfragen oder Unterstützung beim Downgrade auf eine frühere WebView2-Version verweist SAP direkt auf Microsoft. Dabei sollte auf folgendes Ticket Bezug genommen werden:

Microsoft Ticket – TrackingID #2601200050000910 (Priorität A)

Sobald neue Informationen oder Fixes verfügbar sind, werden die entsprechenden SAP-Knowledge-Base-Artikel aktualisiert.

Empfohlene Behelfslösungen

Bis eine finale Korrektur durch Microsoft bereitsteht, stehen aktuell zwei praktikable Workarounds zur Verfügung:

  1. Verwendung der WebView2 Runtime Version 143.xxx
    Diese Version zeigt nach aktuellem Stand keine der beschriebenen Probleme.

  2. Umschalten auf das Internet Explorer Control
    Für betroffene SAP GUI Inplace-Anwendungen kann alternativ weiterhin das Internet Explorer Control genutzt werden.

Wichtiger Hinweis zu webbasierten SAP-Transaktionen

Nicht alle SAP-Anwendungen können auf das Internet Explorer Control umgestellt werden. Einige webbasierte Transaktionen sind zwingend auf Microsoft Edge (Chromium-basiert) angewiesen, da sie im nativen Webbrowser geladen werden. Dazu zählen unter anderem:

  • /n/ui2/flp (Fiori Launchpad)

  • WebGUI

  • SOAMANAGER

  • SAML2

Diese Transaktionen benötigen weiterhin das Edge-Control und funktionieren nicht mit dem klassischen IE-Control.

Empfohlener Ansatz: Browser-Control-Fallback-Konfiguration

Um beide Welten parallel betreiben zu können – also IE-Control für SAP GUI Inplace-Anwendungen und Edge-Control für webbasierte Transaktionen – empfiehlt SAP die Nutzung einer Browser-Control-Fallback-Konfiguration.

Über eine regelbasierte Konfigurationsdatei kann gesteuert werden, welches Browser-Control für welche Anwendung oder welches System verwendet wird. Details hierzu sind im folgenden SAP-Hinweis beschrieben:

  • SAP-Hinweis 2957665
    SAP GUI HTML Control: Browser Control Fallback Configuration

Voraussetzungen für die Fallback-Konfiguration

Damit dieser Ansatz zuverlässig funktioniert, müssen folgende Voraussetzungen erfüllt sein:

  • SAP GUI Patch-Level größer als SP007

  • Implementierung von
    SAP-Hinweis 3153691Fallback-Mechanismus funktioniert in einigen Anwendungen manchmal nicht

Wird das Internet Explorer Control noch unterstützt?

Ja. Entgegen vieler Annahmen wird das Internet Explorer Control weiterhin von SAP GUI unterstützt, sofern HTML-Inhalte inplace eingebettet werden. Die offiziellen Abhängigkeiten und Einschränkungen sind im folgenden SAP-Hinweis dokumentiert:

  • SAP-Hinweis 2913405
    SAP GUI for Windows: Abhängigkeiten zu Browsern/Browser-Controls

Fazit

Das aktuelle Problem mit dem SAP GUI HTML-Control zeigt einmal mehr, wie stark moderne SAP-Clients von externen Komponenten abhängig sind. Mit den beschriebenen Workarounds und insbesondere der Fallback-Konfiguration lässt sich die Situation jedoch stabil überbrücken, bis Microsoft eine finale Korrektur bereitstellt.

Wer produktive SAP-Systeme betreibt, sollte die eingesetzte WebView2-Version prüfen und die Fallback-Optionen frühzeitig evaluieren.