Warum macht ein SAP Berechtigungskonzept Sinn?

Dino Pettinaro

2/13/20263 min read

Sicherheit, Compliance und Effizienz im Jahr 2026: Ein unverzichtbarer Leitfaden für Unternehmen.

In der modernen Unternehmenswelt sind Daten das wertvollste Gut. SAP-Systeme bilden dabei oft das digitale Rückgrat, in dem Finanzen, Personalwesen, Logistik und Vertrieb zusammenlaufen. Doch wer darf eigentlich was? Ein solides SAP Berechtigungskonzept ist weit mehr als eine technische Notwendigkeit – es ist ein strategisches Instrument für Unternehmenssicherheit und Compliance. Dieser Artikel beleuchtet, warum ein strukturiertes Berechtigungskonzept im Jahr 2026 relevanter denn je ist.

1. Einleitung: Was ist ein SAP Berechtigungskonzept?

Ein SAP Berechtigungskonzept definiert die Regeln und Strukturen, nach denen Zugriffsrechte innerhalb eines SAP-Systems vergeben werden. Es stellt sicher, dass Benutzer nur jene Funktionen und Daten nutzen können, die sie für ihre tägliche Arbeit zwingend benötigen (Need-to-Know-Prinzip).

Im Jahr 2026 stehen Unternehmen vor verschärften Herausforderungen: Die Bedrohungslage durch Cyberangriffe hat sich intensiviert, regulatorische Anforderungen (wie die aktualisierte DSGVO oder branchenspezifische Standards) sind strenger geworden, und die laufende Migration vieler Unternehmen auf SAP S/4HANA erfordert ein Umdenken alter Strukturen. Ein historisch gewachsenes, unübersichtliches Berechtigungswesen ist heute nicht mehr nur ein Ärgernis, sondern ein echtes Geschäftsrisiko.

2. Die Hauptgründe für ein strukturiertes Berechtigungskonzept

🔒 Datensicherheit und Schutz sensibler Unternehmensdaten

Der Schutz vor Wirtschaftsspionage und Datenlecks beginnt im eigenen System. Ein Berechtigungskonzept regelt den Zugriff auf kritische Stammdaten (z.B. Baupläne, Rezepturen, Kundendatenbanken). Ohne klare Einschränkungen könnten Mitarbeiter Daten exportieren oder einsehen, für die sie keine Befugnis haben. Durch granulare Berechtigungen wird die Angriffsfläche für interne Täter sowie für externe Angreifer, die Benutzerkonten kapern, drastisch minimiert.

⚖️ Compliance und rechtliche Anforderungen

Gesetzliche Vorgaben wie die DSGVO (Datenschutz-Grundverordnung) oder internationale Standards wie SOX (Sarbanes-Oxley Act) fordern nachweisbare Kontrollen. Prüfer und Wirtschaftsprüfer verlangen im Jahresabschluss regelmäßig Einblicke in das Berechtigungswesen. Ein dokumentiertes Konzept sorgt dafür, dass Sie jederzeit "Audit-ready" sind und empfindliche Strafzahlungen vermeiden.

🛡️ Risikominimierung (Betrug & Manipulation)

Ein zentrales Element ist die Funktionstrennung (Segregation of Duties, SoD). Kritische Kombinationen müssen vermieden werden.
Beispiel: Ein Mitarbeiter darf nicht gleichzeitig einen Kreditor anlegen und eine Zahlung an diesen Kreditor freigeben. Ein Berechtigungskonzept identifiziert und unterbindet solche toxischen Kombinationen technisch.

⚡ Effizienz in der Administration

In vielen Unternehmen ist die Benutzerverwaltung ein Zeitfresser. "Kopieren Sie einfach den User Müller" ist eine gängige, aber gefährliche Praxis. Ein rollenbasiertes Konzept ermöglicht Standardisierung. Neue Mitarbeiter erhalten basierend auf ihrer Stellenbeschreibung (z.B. "Einkäufer") automatisch ein definiertes Rollenbündel. Dies beschleunigt das Onboarding und entlastet die IT-Abteilung massiv.

👥 Klare Verantwortlichkeiten
Transparenz ist der Schlüssel. Wer hat wann Zugriff auf welche Daten erhalten? Ein Konzept legt fest, wer "Data Owner" oder "Rollenverantwortlicher" ist. Dies schafft Nachvollziehbarkeit und zwingt Fachabteilungen, Verantwortung für ihre Daten zu übernehmen, anstatt diese Verantwortung rein auf die IT abzuschieben.

3. Konkrete Vorteile eines strukturierten Ansatzes

Der Mehrwert im Überblick:

  • Automatisierung: Standardisierte Rollen ermöglichen den Einsatz von Identity Management (IdM) Systemen zur automatischen Benutzeranlage.

  • Kostenkontrolle: SAP-Lizenzen basieren oft auf zugewiesenen Berechtigungen. Wer zu viel darf (z.B. "Professional User"), kostet mehr, auch wenn er die Funktionen gar nicht nutzt. Ein schlankes Konzept spart Lizenzkosten.

  • S/4HANA Readiness: Saubere Berechtigungen sind das Fundament für eine reibungslose Migration auf die neue Technologieplattform.

  • Konfliktfreiheit: Durch präventive Prüfungen (z.B. mit SAP GRC Access Control) werden SoD-Konflikte bereits bei der Vergabe erkannt, nicht erst im Audit.

4. Risiken ohne strukturiertes Berechtigungskonzept

⚠️ Warnung: Die Kosten des Nicht-Handelns

Unternehmen, die das Thema Berechtigungen vernachlässigen, setzen sich unkalkulierbaren Risiken aus:

  • Sicherheitslücken: "SAP_ALL" oder zu weitreichende Profile sind Einfallstore für Ransomware und Sabotage.

  • Finanzielle Schäden: Durch unentdeckten Betrug (Fraud) oder Strafzahlungen bei Compliance-Verstößen.

  • Ineffizienz: Hoher manueller Aufwand bei jeder Benutzeränderung und Fehleranfälligkeit durch "Trial-and-Error"-Berechtigungsvergabe.

  • Unkontrollierter Wildwuchs: Über die Jahre entstehen tausende Einzelrollen, deren Inhalt niemand mehr kennt ("Historische Altlasten").

5. Best Practices für die Implementierung

Wie gelingt der Aufbau eines nachhaltigen Konzepts? Die Praxis zeigt, dass folgende Ansätze erfolgreich sind:

  • Rollenbasiertes Berechtigungskonzept (RBAC): Berechtigungen werden nicht Personen, sondern funktionale Rollen (Stellen) geknüpft.

  • Modularer Aufbau (Baukasten-Prinzip): Anstatt riesige Sammelrollen zu bauen, werden kleine, funktionale Einzelrollen erstellt (z.B. "Rechnungsprüfung", "Bestellanlage"). Diese werden dann zu arbeitsplatzbezogenen Sammelrollen gebündelt. Das erhöht die Flexibilität und Wartbarkeit.

  • Regelmäßige Reviews: Mindestens einmal jährlich sollten Fachabteilungen prüfen, ob die zugewiesenen Rechte noch aktuell sind (Re-Zertifizierung).

  • Einsatz von Tools: Softwarelösungen wie die SAP GRC Suite oder spezialisierte Add-Ons helfen, Risiken in Echtzeit zu analysieren.

6. Besondere Bedeutung bei der S/4HANA Migration

Die Migration auf SAP S/4HANA ist oft der Auslöser, das Berechtigungskonzept neu aufzusetzen. Warum? Weil alte Konzepte oft technisch nicht mehr funktionieren.

  • Veraltete Transaktionen: Viele alte Transaktionscodes (T-Codes) fallen in S/4HANA weg oder werden ersetzt.

  • SAP Fiori: Die neue Benutzeroberfläche nutzt ein App-basiertes Konzept (Kacheln). Berechtigungen steuern hier nicht nur den Zugriff auf Daten, sondern auch die Sichtbarkeit der Apps auf dem Launchpad.

  • Greenfield vs. Brownfield: Selbst bei einer technischen Konvertierung (Brownfield) ist eine Überarbeitung der Rollen unumgänglich, um die neuen Funktionen sicher nutzen zu können.

7. Fazit und Handlungsempfehlungen

Ein SAP Berechtigungskonzept ist kein einmaliges Projekt, sondern ein fortlaufender Prozess. Es bildet das Fundament für ein sicheres, konformes und effizientes SAP-System. Im Jahr 2026, geprägt von Cloud-Transformationen und steigenden Sicherheitsanforderungen, ist ein "Laissez-faire"-Ansatz bei Berechtigungen grob fahrlässig.

Handlungsempfehlung

Starten Sie nicht erst, wenn der Wirtschaftsprüfer Mängel feststellt. Analysieren Sie Ihren Ist-Zustand:

  1. Führen Sie einen System-Scan durch, um kritische Berechtigungen und SoD-Konflikte zu identifizieren.

  2. Definieren Sie klare Rollenverantwortliche in den Fachbereichen.

  3. Nutzen Sie den Wechsel auf S/4HANA als Chance für einen "Clean Cut", um Altlasten abzuwerfen.